Mit 74 enthüllt Agnetha Fältskog endlich das schockierende Geheimnis hinter ABBA-Ruhm, zerstörter Ehe, Depression und Stalking – und warum ihr größter Sieg nicht „Waterloo“ war
Es ist ein sonniger Nachmittag in Stockholm, als Agnetha Fältskog, die legendäre Stimme von ABBA, mit ruhigen Schritten in das kleine Café tritt, in dem wir uns verabredet haben. Keine Bodyguards, kein Blitzlichtgewitter, nur eine schlichte Sonnenbrille und ein sanftes Lächeln. Doch hinter diesem Lächeln verbirgt sich eine Geschichte, die jahrzehntelang verborgen blieb – eine Geschichte, die heute, mit 74 Jahren, endlich erzählt wird.
Die Frau hinter der goldenen Stimme
Für Millionen von Fans war sie die strahlende Blondine mit der glockenhellen Stimme, die mit Songs wie Dancing Queen oder Waterloo die Welt eroberte. Doch Agnetha selbst sah in diesem Bild oft nur eine Rolle – eine Maske, die sie tragen musste.
„Ich lebte für alle anderen – für die Band, für die Fans, für meine Familie. Aber nicht für mich“, sagt sie heute.
Der Ruhm kam schnell, zu schnell. Als ABBA 1974 mit „Waterloo“ den Eurovision Song Contest gewann, katapultierte das die Band in eine Welt des unaufhörlichen Trubels: Tourneen, Fernsehauftritte, Studioaufnahmen, Interviews. Kaum Zeit zum Atmen, geschweige denn für sich selbst.
Liebe im Rampenlicht – und ihr Zerfall
Inmitten des Erfolgs verliebte sich Agnetha in ihren Bandkollegen Björn Ulvaeus. Die Hochzeit 1971 galt als Märchenhochzeit der Popwelt – zwei junge, schöne Menschen, vereint durch Musik und Liebe. Doch Märchen verblassen im grellen Scheinwerferlicht.
„Wir waren ständig unterwegs, ständig unter Beobachtung. Das ist kein Nährboden für eine stabile Ehe“, erinnert sie sich.
Die Scheidung 1980 war für die Fans ein Schock – für Agnetha jedoch ein Erdbeben, das ihr Leben erschütterte. „Es war, als würde jemand das Fundament unter meinen Füßen wegziehen. Und doch musste ich auf die Bühne, musste lächeln, singen, performen. Keiner durfte sehen, wie sehr ich innerlich zerbrach.“
Depression, Einsamkeit und Rückzug
Nach dem Ende von ABBA im Jahr 1982 zog sich Agnetha zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Sie mied Partys, Preisverleihungen und große Interviews. Die Medien tauften sie die „Greta Garbo des Pop“.
Doch hinter dieser Zurückgezogenheit steckte keine Arroganz, sondern tiefe Verletzlichkeit. „Ich fiel in ein Loch. Plötzlich war da keine Band, kein Ehemann, kein klarer Weg mehr. Ich fühlte mich verloren – und einsam.“
Die Einsamkeit wurde zum ständigen Begleiter, Depressionen zu einer stillen Last. In dieser Zeit fand sie Trost nur in der Musik – und in der Nähe zu ihren Kindern.
Dunkle Schatten: Stalking und Angst
Die 1990er-Jahre brachten nicht nur Erholung, sondern auch eine erschütternde Bedrohung. Ein hartnäckiger Stalker verfolgte Agnetha über Jahre, lauerte ihr auf, schrieb unzählige Briefe und versuchte sogar, in ihre Privatsphäre einzudringen.
„Ich habe gelernt, Angst zu haben. Türen doppelt abschließen, Vorhänge zuziehen, nie allein spazieren gehen. Das war kein Leben mehr.“
Der Mann wurde schließlich verhaftet, doch die Angst blieb lange. „Man verliert ein Stück seiner Unbeschwertheit für immer.“
Der späte Weg zur Selbstbestimmung
Heute, mit 74 Jahren, sitzt Agnetha ruhig und gefasst vor mir. Ihre Augen strahlen Wärme aus, aber auch eine gewisse Stärke, die sie sich hart erkämpft hat.
„Der größte Sieg meines Lebens war nicht ‚Waterloo‘. Es war der Moment, in dem ich mich entschieden habe, wieder mein eigenes Leben zu leben. Keine Rollen mehr, keine Erwartungen, nur ich.“
Sie spricht von langen Spaziergängen am Wasser, vom Lesen, vom Kochen für ihre Enkelkinder. Von einem Leben, das nicht spektakulär für die Außenwelt ist, aber erfüllt für sie selbst.
Der Mut, sich zurückzuziehen
Agnetha hat nie wieder den permanenten Rummel gesucht. Ihre Comebacks – wie das Soloalbum A von 2013 oder die ABBA-Überraschung 2021 mit Voyage – waren bewusste, punktuelle Entscheidungen.
„Ich weiß jetzt, dass ich nicht immer verfügbar sein muss, um geliebt zu werden. Meine Fans verstehen das – und das ist ein Geschenk.“
Die Botschaft an ihre Fans
Am Ende unseres Gesprächs bittet sie darum, noch etwas klarzustellen: „Es ist keine Schwäche, sich zurückzuziehen. Es ist manchmal der einzige Weg, wieder Kraft zu finden. Wir alle dürfen uns selbst wichtiger nehmen als das Bild, das andere von uns haben.“
Sie nippt an ihrem Kaffee, schaut kurz aus dem Fenster und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Ich habe meinen Frieden gefunden. Und das ist mein wahres Happy End.“
Fazit:
Die Geschichte von Agnetha Fältskog ist mehr als die Chronik einer Pop-Ikone. Es ist die Reise einer Frau, die erst lernen musste, sich selbst zu sehen – und zu lieben. Hinter dem Glanz von ABBA lag ein Leben voller Brüche, Mut und Selbstfindung. Heute, im Alter von 74, steht sie nicht mehr auf der Bühne der Welt – sondern auf der Bühne ihres eigenen Lebens.