Ein Gespräch mit Bernd Baumann über Politik, Grundsatzfragen und das Verhältnis zur CDU
In einem exklusiven Telefoninterview hat Bernd Baumann, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD, die Debatte um die sogenannte „Brandmauer“ gegen seine Partei aufgegriffen und einen Neuanfang im Verhältnis zur CDU ins Spiel gebracht. Die Brandmauer-Strategie – also die bewusste Abgrenzung der CDU gegenüber der AfD – steht für Baumann nicht länger für politische Vernunft, sondern für eine strategische Sackgasse.

Baumann beginnt mit Vorwürfen gegenüber der Union: Sein Eindruck ist, dass die CDU ihre Grundposition zur AfD bereits weitgehend preisgegeben habe – und dennoch weiter in Distanz halte. „Sie haben unsere ganzen Programmpunkte übernommen“, so Baumann. Die CDU habe „unsere ganze Themen und Forderungen übernommen“ – von Migration über Energie bis zur Schuldenbremse. Gleichzeitig aber betreibe sie mit der SPD das Gegenteil.
Er wirft der Union vor, sich in einer tiefen Identitätskrise zu befinden: Die AfD biete das Original, die CDU nur Kopien. Und so entstehe, laut Baumann, die Situation, dass Wählerinnen und Wähler die Brandmauer der Union zunehmend als farbloses Symbol denn als echte Trennung wahrnähmen.
Die CDU hält ihre Linie – aber wie lange noch?
Die Union hat in jüngster Zeit ihre Haltung klar bekräftigt. Der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich März bezeichnete die AfD als „Hauptgegner“ der CDU. In dieser Äußerung sieht Baumann mehr als nur eine Abgrenzung: „März hat seine Partei jetzt maximal erpresst“, sagt er – indem er der CDU mit dem Ende der Kanzlerschaft drohe, falls sie den Brandmauer-Kurs nicht weitergehe.
Baumann wertet dies als letzten verzweifelten Versuch der Union, ihre politische Identität aufrechtzuerhalten – obwohl laut ihm die programmatischen Inhalte längst von der AfD dominiert würden. In seiner Sicht droht der CDU ein doppelter Verlust: Einerseits ihrer inneren Klarheit, andererseits ihrer Wählerbasis, die zunehmend das Gefühl habe, für inhaltliche Alternativen gebe es nur noch die AfD.
„Gemeinsamkeiten“ – wieviel Wahrheit steckt dahinter?

Im Gespräch zählt Baumann mehrere angebliche Gemeinsamkeiten zwischen AfD und CDU auf – Migration, Energiepolitik, Schuldenbremse – und betont, die AfD sei hier der führende Akteur gewesen. Die CDU habe reagiert, übernommen – das aber dann politisch aufgegeben. Auf die Frage nach grundsätzlichen Trennungen entgegnet er, diese existierten „einfach nicht“: Die CDU habe sich inhaltlich bereits angenähert.
Diese Sicht widerspricht vehement der CDU-Argumentation, wonach allein schon Werte-, Demokratie- und Grundüberzeugungsfragen die AfD von der Union trennten. Baumann sieht die Union hier in einer Art Selbstbetrug: Einerseits markiere sie Abgrenzung, andererseits kopiere sie politische Inhalte. Die Konsequenz: „Was unterscheidet denn dann noch konkret die AfD von der CDU?“ fragt er rhetorisch.
Handreichung trotz harter Worte?
Obwohl die Tonlage zwischen AfD und CDU klar von Distanz geprägt ist, lässt Baumann eine Kooperationsperspektive offen: Er spricht von einer Handreichung an die Union – „wenn die CDU zur Vernunft kommt, ohne Friedrich März“. Damit verbindet er politische Bedingungen: Die AfD sei bereit, „dass die Wende möglichst schnell kommt“ – konkret bei der Migrationswende, bei Klima-, Energie- und Haushaltspolitik.
Diese Aussage verdeutlicht zugleich eine strategische Einladung und eine Drohung: Sollten CDU und Union nicht reagieren, werde die AfD zur einzigen Option für eine konservative Wende. Die AfD öffnet damit eine Tür – bleibt aber selbstbewusst in der Rolle der, wie Baumann es formuliert, „einzigen Quelle“ für echte politische Veränderung.
Die Debatte um Rechtsextremismus und Brandmauer – wie ernst ist sie bei der AfD?
Ein weiterer zentraler Punkt des Gespräches betrifft die internen Herausforderungen in der AfD – insbesondere die Frage nach einer Brandmauer gegen Rechtsextremisten innerhalb der Partei. Baumann weist solche Forderungen zurück mit dem Verweis auf einen „Ausschließlichkeitsbeschluss“ der Partei. Wer „irgendwelchen rechten Vereinigungen“ angehöre, sei bei der AfD nicht willkommen – „wie keine andere Partei halten wir uns da sauber“.
Gleichzeitig kritisiert er die Brandmauer-Debatte, wie sie von der CDU geführt werde, als politisches Manöver: Die CDU habe zunächst alle AfD-Forderungen verteufelt und später übernommen – das Etikett „rechtsextrem“ gehe also an der Realität vorbei. Ein klares Signal, dass Baumann die Kritik an rechtsradikalem Gedankengut in der AfD nicht als Hauptproblem erkennen will, sondern vielmehr die Debatte selbst als strategisches Mittel der Konkurrenzpartei deutet.
Migration, Stadtbild und das „Projekt gescheitert“
Baumann führt seine Argumentation weiter auf der Ebene der Migration und Sicherheit. Er macht die Union für das aktuelle „Stadtbild“ verantwortlich: Millionen Migranten seien zu schnell ins Land gekommen, Integration habe nicht funktioniert – das führe zu Verunsicherung bei Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere bei Frauen, Jüdinnen und Juden. Die Brandmauer-Warnungen der Union wertet er als Bestätigung seiner Sichtweise: „Ihr seid dran schuld und ändern könnt ihr das für Deutschland nur mit der AfD“, so Baumann.
Damit liefert er eine Narrative, in der die AfD sich als Retterin einer gescheiterten Migrationspolitik inszeniert – und die CDU als Urheberin der Probleme bezeichnet. Die Debatte wird damit weniger über Unterschiede geführt – sondern über Legitimation und politische Authentizität.
Bewertung: Was steckt hinter der Rhetorik?
Baumanns Interview offenbart mehrere strategische Züge:
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Selbstbewusstes Angebot: Die AfD präsentiert sich nicht nur als Herausforderer der Union, sondern als überlegene Alternative mit klarer Handlungsperspektive.
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Druck auf die CDU: Die Brandmauer-Diskussion wird von Baumann genutzt, um die Union in eine schwierige Lage zu bringen: Entweder bleibt sie beim Distanz-Kurs – oder sie verliert ihre konservative Grundlage.
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Inhaltliche Übernahme-Narrative: Indem Baumann behauptet, die CDU habe Inhalte übernommen, schwächt er deren Alleinstellungsmerkmal – und stärkt seine eigene Partei.
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Moralische Rhetorik: Durch die Aufstellung eines Gegensatzes zwischen „authentisch handeln“ (AfD) und „täuschen & kopieren“ (CDU) versucht Baumann, die AfD moralisch und politisch in höhere Sphären zu heben.
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Strategische Flexibilität: Trotz harter Worte bleibt eine Kooperationsperspektive bestehen – wenn auch mit Bedingungen. Das zeigt eine taktische Offenheit der AfD.
Schlussbemerkung
Das Interview mit Bernd Baumann zeigt exemplarisch, wie sich die Debatte um die Brandmauer gegen die AfD derzeit entwickelt: Nicht mehr nur als Frage der Abgrenzung – sondern als Frage nach dem politischen Profil, der Handlungsfähigkeit und der Authentizität der beteiligten Parteien. Baumanns Position ist deutlich: Die AfD sieht sich nicht länger nur als Außenseiterin, sondern als potenzielle Machtalternative. Für die CDU stellt sich hier die Gretchenfrage: Kann sie ihre konservative Identität wahren, ohne inhaltlich mit der AfD zu fusionieren – oder wird sie von ihr überholt? Ob die Brandmauer-Strategie weiterhin Sinn macht, ist damit offener denn je.
Ob dieser Ansatz Wählerinnen und Wähler überzeugt, oder ob die Union durch ihre Abgrenzung Stärke gewinnen wird, hängt wesentlich davon ab, wie glaubwürdig beide Seiten in den kommenden Monaten ihre Positionen vertreten – und welche politischen Resultate sich daraus ergeben.
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