Das eiskalte Kalkül der „Schutzgelderpressung“: Warum Europas wichtigster Verbündeter Deutschland mit dem Chaos erpresst

Das eiskalte Kalkül der „Schutzgelderpressung“: Warum Europas wichtigster Verbündeter Deutschland mit dem Chaos erpresst


Das eiskalte Kalkül der „Schutzgelderpressung“: Warum Europas wichtigster Verbündeter Deutschland mit dem Chaos erpresst

 

Die geopolitische Gemengelage, in der sich Europa und insbesondere Deutschland befinden, ist nach Ansicht führender Ökonomen nicht nur angespannt, sondern existenzbedrohend. Was Professor Hans-Werner Sinn, einer der profiliertesten deutschen Wirtschaftswissenschaftler, in einem eindringlichen Gespräch darlegt, ist weit mehr als eine ökonomische Analyse; es ist ein Weckruf, der die Illusion der westlichen Allianz in ihrer bisherigen Form radikal dekonstruiert. Seine schonungslose Diagnose: Deutschland steckt in der wohl gefährlichsten Situation der gesamten Nachkriegszeit, gefangen in der Zange zwischen einem aggressiven Russland und einem Partner, der seine militärische Schutzmacht eiskalt zur „Schutzgelderpressung“ nutzt.


Die gefährlichste Konstellation seit der Kuba-Krise

Hans-Werner Sinn attestiert der Gegenwart eine akute, wenn auch latente, Bedrohungslage, die er als gefährlicher einstuft als viele Krisen der Vergangenheit. Die Ausgangslage ist klar: Die Amerikaner zeigen ein eklatant schwindendes Interesse an der bedingungslosen Verteidigung Europas, während die Russen gleichzeitig „mit den Hufen scharren“.

Diese ungute Konstellation ist nach Ansicht des Professors nicht zufällig entstanden, sondern das Resultat einer fundamental verfehlten Politik nach dem Kalten Krieg. Anstatt mit Russland Frieden zu machen und es in den westlichen Rahmen einzubinden, entschieden sich die USA, ihren Sieg „auszukosten“. Während Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand gereicht wurde, um es an den Westen zu binden – eine „wunderschöne Symbiose“ für beide Seiten –, wurde dieser Ansatz bei Russland bewusst versäumt. Die NATO-Osterweiterung, so Sinn, war nicht nur ein defensives, sondern ein Projekt, das Russland und Deutschland „bewusst auseinandergetrieben“ hat.

Diese Konfrontationspolitik führte zu Putins Kipppunkt zwischen 2001 und 2007, als er die amerikanische Hegemonie infrage stellte und eine multipolare Weltordnung forderte. Die Folge: Annexion der Krim 2014, der Ukraine-Krieg 2022, und eine Situation, in der Putin nicht aufhören wird, da er „im Vormarsch“ ist. Europa ist dabei, wie so oft in der Geschichte, zum Kollateralschaden und Schauplatz einer Machtprobe geworden.


Der Preis der Abhängigkeit: Von russischem Gas zu US-Flüssiggas

Die vermeintliche Unabhängigkeit von Russland erkaufte sich Europa mit einer neuen, ebenso brisanten Abhängigkeit. „Wir haben doch die russische Abhängigkeit beim Gas gegen die amerikanische Abhängigkeit beim Flüssiggas einfach nur getauscht“, konstatiert Sinn. Diese neue Abhängigkeit sei nur so lange unproblematisch, wie die USA ihre Schutzgarantie ohne Wenn und Aber aufrechterhalten.

Genau diese Garantie wird jedoch von Donald Trump in aller Deutlichkeit in Frage gestellt. Seine wiederholten öffentlichen Äußerungen, Europa im Angriffsfall den Russen zu überlassen, falls die Europäer nicht genug zahlen, offenbaren laut Sinn das hässliche Gesicht der amerikanischen Geopolitik: „Es ist auch ein Kalkül, um eben Schutzgelder zu erpressen“.

Diese Schutzgelderpressung äußert sich auf mehreren Ebenen:

  1. Verteidigungskosten: Europa soll die Leistungen der USA zur Verteidigung besser bezahlen.

  2. Kriegskosten: Die Europäer – insbesondere die nordeuropäischen Länder und England – zahlen inzwischen sämtliche Waffenlieferungen der USA in die Ukraine, nachdem Trump angekündigt hatte, keinen Cent mehr zu geben.

  3. Wirtschaftliche Sanktionen: Die von den USA diktierten Sanktionen gegen Russland (Öl, Gas, Handel) schaden laut Sinn „uns Europäern“ am meisten. Gleichzeitig wird der Export von angereichertem Uran aus Russland in die USA davon nicht berührt, da Amerika dies für sich selbst benötigt – ein eklatanter Beleg für die Doppelstandards der Sanktionspolitik.


„American Companies“: Der Plan zur Zerschlagung der europäischen Wirtschaft

Die militärische Schutzgelderpressung ist nur ein Teil des wohlüberlegten Plans, den Trump verfolgt. Im Hintergrund ist laut Sinn eine „Zollpolitik“ vorbereitet, deren Ziel es ist, die amerikanische Exportwirtschaft zu stärken, notfalls mit dem Mittel eines schwachen Dollars, was ironischerweise einen Inflationsimpuls durch teurere Importe auslöst.

Das eigentliche Endspiel ist jedoch die Umverteilung von Kapital und industrieller Macht von Europa nach Amerika, was der Professor als „zu unseren Lasten und zu Amerikas Gunsten“ beschreibt. Trumps Appelle an ausländische Schuldner, letztendlich die Defizite der USA zu begleichen, werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Drohung der militärischen Macht im Raum steht.

Die brutalste Form dieser Wirtschaftsdoktrin manifestiert sich in Trumps direkter Forderung an die europäische Industrie: „I want German car companies to become American companies“. Europäische Firmen sollen ihre Produktion und ihre Fabriken in die USA verlagern, um dort die Autos zu produzieren, frei von den europäischen Umweltauflagen und geschützt vor der US-Zollpolitik. Sinn betont, dass Trump den Krieg beziehungsweise die Konfrontationsspannung braucht, um dieses Konstrukt aus ökonomischem Zwang und politischer Bedrohung aufrechtzuerhalten, da er ohne diesen Druck keine Schutzgelderpressung mehr betreiben könnte.


Der historische Moment: Europas Weg aus der Zange

Europa wird „unter den Rädern der Streitwagen der Großmächte zerrieben“, wenn es weiterhin die Rolle eines naiven, unfähigen Juniorpartners spielt. Die momentane Reaktion der EU – Kreditaufnahme und Verteilung von Geldern zum Kauf neuer Waffen – hält Sinn für nicht zielführend. Es ist besser als nichts, aber es beindruckt Putin nicht und es befreit Europa nicht aus der Bevormundung durch die USA.

Sinn plädiert für einen Schulterschluss der europäischen Staaten gegen den Feind im Osten, der jedoch nur glaubhaft ist, wenn Europa auch gegenüber den USA mit einer Stimme spricht. Er fordert ein radikales, aber historisch notwendiges Projekt: die Aufstellung einer gemeinsamen europäischen Armee unter einem einheitlichen Kommando.

Dieses Projekt muss folgende Schlüsselelemente umfassen:

  1. Staatlichkeit: Die Armee muss einem neu zu gründenden Europäischen Bund übereignet werden, der Souveränität von den Mitgliedsländern absorbiert.

  2. Parlamentarische Kontrolle: Die deutsche Parlamentsarmee muss durch eine Europäische Parlamentsarmee ersetzt werden, die von einem demokratisch gewählten europäischen Verteidigungsparlament kontrolliert wird.

  3. Glaubwürdigkeit: Nur ein solches, entschlossenes Projekt – idealerweise innerhalb der NATO, aber mit eigener Stimme – würde Putin ernst nehmen. Gleichzeitig würde es Trump ernst nehmen. Die Europäer, die zahlenmäßig stärker sind als die Amerikaner, dürfen nicht länger zulassen, dass Washington sie „wie Kinder“ behandelt und ihnen diktiert, was sie zu tun haben.

Der Moment ist da, um den berühmten Appell von Helmut Kohl aufzugreifen: „Man muss den Rockzipfel der Geschichte ergreifen, wenn er an einem vorbeikommt“. Die Diskussion um eine echte europäische Souveränität und die Schaffung einer glaubwürdigen europäischen Verteidigung muss jetzt geführt werden, um die Existenz des Kontinents in einer immer gefährlicheren, von Kalkül und Erpressung geprägten Welt zu sichern. Das Versäumnis, diesen Schritt jetzt zu gehen, könnte Europa die Zukunft kosten.

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