Fern von Zuhause: So war Weihnachten während der Wehrpflicht
Weihnachten in der Kaserne, fern von zu Hause, fern von der Familie. Wie erlebten junge Werpflichtige in den 70ern das Fest der Liebe hinter Kasernenmauern? Für viele war es das erste Mal weg von daheim, das erste Mal ohne Mutter, ohne den Duft von Omas Plätzchen, ohne den vertrauten Christbaum im Wohnzimmer.
Und doch, Weihnachten fand statt. Zwischen grauen Stuben, Spinden und Uniformen entstand eine ganz eigene, fast magische Atmosphäre. Die Bundeswehr versuchte, den Soldaten ein Stück Heimat zu schenken mit Tannengrün, Kerzen, einem warmen Essen und der Kameradschaft, die in diesen Tagen enger zusammenrückte als je zuvor.
In diesem Artikel zeigen wir euch sieben Dinge, die Weihnachten in der Kaserne der 70er Jahre so unvergesslich machten. Taucht mit uns ein in eine Zeit, in der Dienst und Tradition Hand in Hand gingen und selbst in der Ferne ein Hauch von zu Hause spürbar war.
Platz 7: Der geschmückte Stuben-Weihnachtsbaum
In der Kragenstube zwischen Metallbetten und grauen Spinden stand er plötzlich da. Ein kleiner Tannenbaum, nicht groß, nicht prächtig, aber echt. Sein harziger Duft erfüllte den Raum und brachte ein Stück Wald, ein Stück Heimat in die Kaserne. Die Soldaten hatten ihn oft selbst besorgt, manchmal heimlich aus dem nahen Forst, manchmal von einem Kameraden mitgebracht, dessen Familie einen übrig hatte.
Gemeinsam wurde er aufgestellt, mit selbstgebasteltem Schmuck behängt, Strohsterne, bunte Papierketten, ein paar Kugeln, die jemand von zu Hause mitgebracht hatte. Echte Kerzen wurden angezündet. Ihr warmes Flackern warf Schatten an die kahlen Wände. In diesem Moment war die Stube kein militärischer Raum mehr. Sie war ein Zufluchtsort, ein kleines Weihnachtszimmer. Man saß zusammen, rauchte vielleicht eine Zigarette, erzählte von früher von Weihnachten daheim. Der Baum war bescheiden, aber er bedeutete alles. Er erinnerte daran, dass selbst hier zwischen Befehl und Dienst das Menschliche seinen Platz hatte. Ein Symbol der Hoffnung, der Gemeinschaft und der stillen Sehnsucht nach Geborgenheit.
Platz 6: Weihnachtspäckchen von zu Hause
Wenn die Post kam, herrschte Hochspannung, besonders in den Tagen vor Weihnachten. Dann trudelte es ein, das Päckchen von zu Hause. Liebevoll gepackt von Mutter, Oma oder der Freundin, in braunem Packpapier, verschnürt mit Paketband, oft mit bunten Briefmarken und sorgsam geschriebener Adresse.
Schon beim Auspacken stiegen Erinnerungen auf. Der Duft von selbstgebackenen Plätzchen, von Lebkuchen und Stollen. Alles war, was das Herz begehrte. Süßigkeiten, ein paar warme Socken, vielleicht eine Dose Kekse, eine Kerze, ein Brief mit liebevollen Worten, manchmal auch eine Kleinigkeit zum Lachen, eine Erinnerung an bessere Zeiten. Die Kameraden teilten oft mit: ein Stück Kuchen hier, eine Handvoll Pralinen da. Das Päckchen war mehr als nur Inhalt. Es war die Verbindung nach draußen. Ein Zeichen, dass man nicht vergessen war, dass man geliebt wurde, vermisst wurde. In einer Zeit ohne Handy, ohne ständigen Kontakt, bedeutete so ein Paket die Welt. Es brachte Wärme in die kalte Kaserne und das Gefühl, dass Weihnachten auch hier stattfinden konnte.
Platz 5: Die Weihnachtsfeier in der Casinostube
Einmal im Jahr verwandelte sich das Casino. Die sonst nüchterne Stube, in der man nach Dienstschluss ein Bier trank oder Billard spielte, wurde festlich geschmückt. Girlanden hingen von der Decke. Ein großer Tannenbaum stand in der Ecke. Echte Kerzen brannten auf den Tischen. Es roch nach Glühwein, nach Zigaretten und einer Mischung aus Vorfreude und Wehmut. Die Kompanie kam zusammen. Vorgesetzte und Mannschaften saßen an diesem Abend fast auf gleicher Ebene. Es wurde gesungen, oft alte Weihnachtslieder, manchmal auch Soldatenlieder, die jeder kannte. Ein Kamerad brachte seine Gitarre mit, ein anderer erzählte Witze, die längst zum Repertoire gehörten.
Es gab Gebäck, manchmal sogar eine kleine Bescherung, selbstgebastelte Geschenke, die für Lacher sorgten. Die Stimmung war ausgelassen, herzlich, fast familiär. Man vergaß für ein paar Stunden den Drill, die Hierarchie, die Sehnsucht nach daheim. Hier in dieser geschmückten Stube entstand Zusammenhalt. Man feierte gemeinsam, lachte gemeinsam und mancher hatte heimlich Tränen in den Augen. Diese Weihnachtsfeier war ein Anker, ein Moment der Menschlichkeit in einer Welt aus Befehlen und Pflichten.
Platz 4: Heimaturlaub über die Feiertage
Für viele war es das größte, der Heimaturlaub über Weihnachten. Wochenlang hatte man darauf hingefiebert, die Tage auf dem Kalender abgestrichen und dann endlich, kurz vor dem Heiligen Abend hieß es: Abmarsch nach Hause. Mit der Bundeswehrtasche über der Schulter, in Zivil oder noch in Uniform ging es los, per Zug, per Anhalter, manchmal mit dem Bus. Die Fahrt war lang, aber die Vorfreude überwog alles. Zu Hause angekommen wurde man empfangen wie ein Held. Mutter weinte vor Freude. Vater drückte einem fest die Hand. Die Geschwister stürmten herbei.
Der vertraute Duft von Tannennadeln, von Plätzchen und Braten erfüllte das Haus. Alles war wie früher. Und doch fühlte man sich ein Stückchen erwachsener. Man erzählte von der Kaserne, von den Kameraden, manchmal auch von der Sehnsucht. Unter dem Christbaum lag vielleicht ein kleines Geschenk und beim Singen von “Stille Nacht” flossen Tränen der Rührung. Diese paar Tage waren kostbar, ein Auftanken der Seele und als der Urlaub zu Ende ging, fiel der Abschied schwer. Aber man nahm die Wärme mit zurück in die Kaserne.
Platz 3: Die Mitternachtsmesse in der Garnisonskirche
Kurz vor Mitternacht am heiligen Abend strömten sie in die Garnisonskirche, Soldaten in Uniform, manche noch in Zivil, Offiziere und einfache Wehrpflichtige. Die Kirche war festlich geschmückt. Kerzen erleuchteten den Altarraum. Ein großer Tannenbaum stand neben der Kanzel, geschmückt mit silbernen Kugeln und roten Schleifen. Der Duft von Weihrauch und Tannennadeln lag in der kühlen Luft. Die Orgel setzte ein, mächtig und feierlich. Gemeinsam sang man: “Oh, du fröhliche,” “Stille Nacht,” die alten Lieder, die jeder von zu Hause kannte.
Mancher hatte einen Kloß im Hals, dachte an die Familie daheim, an vergangene Weihnachten. Der Militärpfarrer sprach von Frieden, von Hoffnung, von der Bedeutung der Gemeinschaft. Seine Worte trafen ins Herz: In diesem Moment war man nicht nur Soldat, man war Mensch. Nach der Messe trat man hinaus in die kalte Nacht. Der Sternenhimmel funkelte, Schnee knirschte unter den Stiefeln. Man wünschte sich frohe Weihnachten, klopfte sich auf die Schulter. Diese Stunde in der Kirche war heilig, ein Ruhepunkt im Sturm des Alltags, ein Moment des Innerhaltens, der Besinnung und der stillen Dankbarkeit.
Platz 2: Das festliche Weihnachtsessen in der Truppenküche
Am ersten Weihnachtsfeiertag geschah etwas Besonderes. Die Truppenküche verwandelte sich. Statt der üblichen Eintöpfe und Standardmahlzeiten gab es ein richtiges Festessen. Die Köche hatten sich Mühe gegeben, tagelang vorbereitet. Es roch nach Gänsebraten, nach Rotkohl und Klößen. Manchmal gab es Rehrücken oder einen großen Schweinebraten, dazu Soße, wie man sie von zu Hause kannte.
Die Tische waren festlich gedeckt mit weißen Tischdecken, Kerzen und ein paar Tannenzweigen als Dekoration. Die Soldaten kamen in Scharen, hungrig und voller Vorfreude und dann wurde serviert. Große Portionen, dampfend heiß, liebevoll angerichtet. Es schmeckte nach Heimat, nach Weihnachten, nach Kindheit. Man aß gemeinsam, lachte, erzählte, genoss den Moment. Zum Nachtisch gab es oft Pudding, Obstsalat oder sogar Stollen. Die Vorgesetzten servierten manchmal selbst. Eine alte Tradition, die Respekt und Verbundenheit zeigte. Dieses Essen war mehr als nur Nahrung. Es war ein Zeichen der Wertschätzung, ein Stück Normalität in einer Zeit fern von daheim. Und für viele blieb diese Mahlzeit unvergessen. Ein Höhepunkt der Weihnachtszeit in Uniform.
Platz 1: Karten spielen und Geselligkeit mit den Kameraden
Wenn die Feiertage kamen und der Dienst ruhte, begann die schönste Zeit, das gemeinsame Beisammensein. In der Stube, im Casino oder in der Kantine saßen die Soldaten zusammen, oft bis tief in die Nacht. Auf dem Tisch lagen Spielkarten, Skat, Doppelkopf oder Rommé. Dazu ein Bier, eine Flasche Cola, vielleicht selbst mitgebrachter Schnaps aus der Heimat. Der Rauch der Zigaretten zog durch die Luft. Es wurde gelacht, gestritten, gewonnen und verloren. Jeder hatte seine Anekdote, seine Geschichte aus der Grundausbildung, vom letzten Manöver oder von Zuhause.
Die Stimmung war entspannt, fast familiär. Hier gab es keinen Rang, keine Hierarchie, nur Kameradschaft. Man teilte Sorgen, Hoffnungen, Träume. Manche zogen die Gitarre hervor. Es wurde gesungen, manchmal auch leise und melancholisch. Diese Stunden waren unbezahlbar. Sie schweißten zusammen, schufen Freundschaften, die oft ein Leben lang hielten. Weihnachten in der Kaserne war nicht perfekt, nicht wie zu Hause. Aber diese Gemeinschaft, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl machte die Ferne erträglich. Es war das Wertvollste, was man haben konnte. Echte Kameraden, mit denen man durch dick und dünn ging.
Schlussbetrachtung
Weihnachten in der Kaserne der 70er Jahre. Es war anders als zu Hause. Klar, keine Familie am Tisch, kein eigenes Bett, kein vertrautes Wohnzimmer. Und doch war es besonders. Der geschmückte Tannenbaum in der Stube, die Päckchen von zu Hause, die festliche Feier im Casino, der Heimaturlaub für die Glücklichen, die Mitternachtsmesse in der Garnisonskirche, das warme Weihnachtsessen und vor allem die Kameradschaft beim Kartenspielen. All das machte diese Zeit unvergesslich. Es waren die kleinen Dinge, die zählten. Die Wärme in der Kälte, das Lachen in der Sehnsucht, die Gemeinschaft in der Ferne. Viele dieser Soldaten erinnern sich heute noch mit einem Lächeln an diese Weihnachten, an die Zeit, in der man zusammenrückte, füreinander da war und lernte, dass Weihnachten nicht nur ein Ort ist, sondern ein Gefühl. Wenn euch dieser Artikel gefallen hat, dann lasst gerne ein Like da und abonniert unseren Kanal für mehr Erinnerungen aus vergangenen Zeiten. Schreibt uns in die Kommentare, habt ihr selbst Weihnachten in der Kaserne erlebt oder er kennt jemanden, der davon erzählt hat? Wir freuen uns auf eure Geschichten. Frohe Weihnachten und bleibt nostalgisch. Yeah.