Er ist zurück, ungezähmt, ungeschönt und unerbittlich: Stefan Raab (59) hat in der jüngsten Ausgabe seiner RTL-Show „Die Stefan Raab Show“ einen gnadenlosen verbalen Großangriff gestartet, der die glitzernde Fassade des deutschen Showgeschäfts zum Einsturz bringt. Ziel seiner Ätz-Attacke: Das schillerndste Power-Trio der deutschen Celebrity-Landschaft – Heidi Klum (52), Tom Kaulitz und sein Bruder Bill (beide 36). Raab, der bekanntermaßen „kein Blatt vor den Mund nimmt“, spottete nicht nur über den musikalischen Auftritt von Tokio Hotel, sondern zielte mit einem brutalen Alters-Witz direkt auf die Hollywood-Ehefrau Klum. Das Publikum raunte, die Satire war knallhart, und die Frage steht im Raum: Ist dies die lang erwartete, schonungslose Abrechnung mit der überperfektionierten Ästhetik des Celebrity-Clans – oder nur der verzweifelte Versuch eines angeschlagenen Entertainers, die sinkenden Quoten zu retten?

Die Arena: Raabs unfiltrierte Rückkehr und die Gnadenlosigkeit
Seit seiner Rückkehr auf die Bildschirme hat Stefan Raab eines bewiesen: Die Spielregeln des deutschen Fernsehens haben sich geändert, aber seine eigene unerbittliche Gnadenlosigkeit nicht. Raabs Show ist die Arena, in der die politische Korrektheit der Social-Media-Ära keinen Zutritt hat. In seiner Welt ist das Maß der Dinge nicht die Empfindlichkeit, sondern die Schärfe des Witzes.
Der jüngste Schlagabtausch, der die Klum/Kaulitz-Sippschaft traf, ist dabei ein Lehrstück in Raab’scher Provokation. Er nutzt einen öffentlichen Auftritt – die glitzernde, aber oft steife Bambi-Verleihung – um die Diskrepanz zwischen inszeniertem Glamour und tatsächlicher Wirkung aufzuzeigen. Raab liefert die Kritik, die im deutschen Fernsehen oft unausgesprochen bleibt.
Sein Angriff zielt dabei auf das Herzstück der Marke Klum/Kaulitz: Perfektion, Jugendlichkeit und gegenseitige Anbetung
Der doppelte Spott: Von Tina Turner zur verhaltenen Begeisterung
Der erste Hieb des Komikers traf Bill Kaulitz. Nachdem ein Clip des Tokio Hotel-Auftritts eingespielt wurde, ließ Raab einen vermeintlich harmlosen Scherz fallen: „Sieht gut aus, oder? Die Tina Turner“, spottete er über Bills Look.
Dieser Vergleich ist typisch Raab: Er kombiniert eine popkulturelle Referenz (die Rock-Ikone Tina Turner) mit einer subtilen Andeutung, die Bills extravagante, oft androgyn wirkende Ästhetik aufgreift und zugleich karikiert. Es ist ein Witz, der sofort seine Wirkung entfaltet, da er die visuelle Oberfläche des Sängers verhöhnt.
Anschließend lenkte Raab die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Umgebung des Auftritts. Er wies auf die „vermeintlich verhaltene Begeisterung des Publikums hin“ – eine Beobachtung, die die Stagnation des Schlager- und Event-Publikums im Kontrast zur vermeintlich rebellischen Rockband Tokio Hotel bloßstellt.
Aber zumindest ein Fan sei „richtig mitgegangen“, kommentierte Raab – die Falle für den Hauptangriff war gestellt.
Die Kernschmelze: „Mutti“, „Oma“ und der Verrat der Jugendlichkeit
Der folgende Clip zeigte Heidi Klum, die im Publikum stehend „zu den Songs der Band tanzt, während der Rest der Zuschauerinnen und Zuschauer bewegungslos sitzen bleibt“. Hier wechselte Raab von der musikalischen Kritik zur höchst persönlichen Attacke auf das Privatleben Klums.
Zuerst der milde Spott: „Das kennt man ja: Wenn die Kinder auftreten, flippt Mutti einfach aus. Das ist immer so. Mami ist stolz“. Die Implikation ist klar: Klum agiert hier nicht als gleichberechtigte Ehefrau oder Fan, sondern als überenthusiastische, leicht peinliche Ältere, die die Band ihres siebzehn Jahre jüngeren Mannes unterstützt.
Doch der Schlag, der die schärfste Reaktion hervorrief, war der direkte Alters-Witz. Raab inszenierte einen Moment, in dem er sich angeblich etwas ins Ohr sagen ließ: „Ich höre gerade, es ist gar nicht die Mama, ist die Oma“, stichelte der 59-Jährige gegen die 52-jährige Chefin von „Germany’s Next Topmodel“.
Ein „Raunen geht durchs Publikum“. Das Raunen ist der Beweis, dass dieser Witz nicht nur witzig, sondern schmerzhaft war, weil er den wunden Punkt der Hollywood-Ehe traf.
Heidi Klum, deren gesamte öffentliche Persona auf der Inszenierung von Jugendlichkeit, Fitness und zeitloser Schönheit beruht, wurde damit in ihrer Kernkompetenz angegriffen. In der Promi-Welt, in der Klum lebt, ist das biologische Alter eine Waffe, und Raab hat sie eiskalt gegen sie gerichtet. Er impliziert, dass ihre Liebe zu dem 36-jährigen Tom Kaulitz unnatürlich sei und eher einer Großmutter-Enkel-Beziehung gleiche. Dies ist eine rhetorische Vernichtung der romantischen Fassade, die Klum und Kaulitz so akribisch pflegen.
Die Ironie der Kapitulation: Raabs paradoxer Respekt
Nach der Vernichtung folgte eine vergiftete Form des Respekts. Zunächst versuchte Raab, einen angeblich positiven Kommentar über Klum anzubringen: Er nötige ihr Respekt ab, dass sie ausflippe, während alle anderen sitzen blieben.
Doch dieser Respekt währte nur kurz, bevor er wieder auf die Kaulitz-Brüder einschlug: „Die Eier zu haben, als einzige aufzustehen und bei so einer Sch… wie Tokio Hotel abzugehen“.
Anschließend der finale, zynische Kommentar: „Wie nennt man das? Kapitulation, glaube ich“.
Die Ironie dieses Moments ist vielschichtig: Raab respektiert Klums Authentizität, verachtet aber das musikalische Produkt, für das sie sich begeistert. Er interpretiert Klums enthusiastisches Tanzen nicht als Beweis ihrer Liebe oder ihres jugendlichen Geistes, sondern als eine Art „Kapitulation“ vor dem schlechten Geschmack. Raab positioniert sich damit als letzter Wächter der musikalischen Qualität, der die ganze Hollywood-Glanz-Blase als geschmacklose Selbstaufgabe entlarvt.
Der wahre Schlagabtausch: Quoten, Pocher und die Verwundbarkeit Raabs
Der Angriff auf Klum und Kaulitz ist jedoch nicht nur ein isolierter Akt der Satire, sondern muss im Kontext von Stefan Raabs eigener Verwundbarkeit gesehen werden.
Die Teleschau-Information liefert den entscheidenden Kontext: „Am Samstag (15.11.) ist Stefan Raabs neue Show ‘Die Unzerquizbaren’ an den Start gegangen. Dass die Quoten zu wünschen übrig lassen, ist für Oliver Pocher natürlich ein gefundenes Fressen“.
Raab, der Meister der Medieninszenierung und des Quoten-Kalküls, sieht sich selbst mit Kritik und schlechten Quoten konfrontiert. Er, der Gnadenlose, wird nun selbst von seinem Erzrivalen Oliver Pocher verspottet.
Dies frames den Angriff auf Klum/Kaulitz in einem neuen Licht: Ist die Brutalität der Attacke ein verzweifelter Versuch, maximale Aufmerksamkeit zu generieren und von den eigenen Schwierigkeiten abzulenken? Raabs Angriff auf die mächtigste Celebrity-Ehe Deutschlands ist eine garantierte Schlagzeile und ein Mittel, um sich selbst wieder als den unumstrittenen König der Provokation zu positionieren. Die Härte seines Humors wird zur Überlebensstrategie im gnadenlosen Kampf um die Relevanz.
Raab führt damit nicht nur einen Krieg gegen Klum, sondern einen Krieg gegen das System, das seine eigene neue Show zu ignorieren scheint.
Fazit und Prognose: Die Macht der Ungefiltertheit
Stefan Raabs Attacke ist ein Symptom für die Spannungen im modernen Showgeschäft. Er verkörpert die ungefilterte, politisch inkorrekte Gegenstimme zu einer Welt, die von sorgfältig kuratierten Social-Media-Profilen und Markenpartnerschaften dominiert wird.
Die Klum/Kaulitz-Maschinerie reagiert auf solche Angriffe meist mit strategischem Schweigen. Es ist unwahrscheinlich, dass Heidi Klum öffentlich auf den „Oma“-Witz eingeht, da dies dem Witz nur zusätzliche Energie verleihen würde. Doch die Demütigung ist real und wurde vor einem Millionenpublikum zelebriert.
Raabs Stärke liegt in seiner Bereitschaft, die ungeschriebenen Regeln des Promi-Kodex zu brechen. Er hat die Hollywood-Fassade Klums zerschlagen und die musikalische Relevanz von Tokio Hotel infrage gestellt. Das Raunen im Publikum war der Beweis, dass er einen Nerv getroffen hat – den Nerv der Unbeholfenheit des Publikums und der Verwundbarkeit des Mega-Stars.
Im deutschen Fernsehen gibt es nur einen Stefan Raab. Seine Lektion bleibt: Wer sich im Rampenlicht bewegt, muss bereit sein, zur Zielscheibe zu werden – selbst wenn die Quoten des Schützen gerade zu wünschen übrig lassen.