Es ist ein TV-Desaster, das in seiner Tragweite kaum zu überschätzen ist: Die wöchentliche RTL-Sendung „Die Stefan Raab Show“ steckt in einer tiefen, anhaltenden Krise. Was als triumphales Comeback eines der größten deutschen Entertainer gefeiert wurde, entwickelt sich zur peinlichen Quoten-Talfahrt, die RTL in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Die neuesten Zahlen der Sendung vom 19. November sind erschreckend: Mit gerade einmal 7,0 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe hat die Show einen neuen, krisenhaft niedrigen Tiefpunkt erreicht. Doch die eigentliche Demütigung ist der Vergleich: In der Primetime musste sich Raab nur noch einer einzigen Show geschlagen geben – einer „linear schwachen Reality“ des Konkurrenten. Die TV-Ikone ist vom Thron der Quoten gestürzt und kämpft nun verzweifelt um die Relevanz in einer Medienlandschaft, die sich radikal gewandelt hat.

Der tiefe Fall: Die harten Zahlen der Kapitulation
Die Hoffnungen, die RTL in die reguläre, über einstündige Version von „Die Stefan Raab Show“ setzte, haben sich in den letzten Wochen zerschlagen. Mit der jüngsten Ausgabe vom 19. November wurde die Krise nicht nur bestätigt, sondern dramatisch verschärft.
Die nackten Zahlen sprechen eine gnadenlose Sprache, die für einen Primetime-Platz auf dem Hauptsender RTL und für einen Star vom Kaliber Raabs unvorstellbar sind:
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Zielgruppe (14- bis 49-Jährige): Es schalteten nur noch 0,29 Millionen junge Zuschauende ein, was einem Marktanteil von 7,0 Prozent entspricht. Dies ist ein im Vergleich zur Vorwoche (7,6 Prozent) nochmals gesunkener Wert, der offiziell als „krisenhaft niedrig“ eingestuft werden muss.
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Gesamtpublikum: Die Reichweite sank auf lediglich 0,68 Millionen Menschen. Damit verfehlte die Sendung die psychologisch wichtige Millionenmarke erneut und diesmal deutlich. Der Gesamtmarktanteil lag bei düsteren 2,9 Prozent.
Dieses Ergebnis hält die Verantwortlichen „weiterhin in Alarmbereitschaft“. Raab, dessen Name jahrzehntelang als Synonym für garantiert hohe Quoten galt, ist mit seiner wöchentlichen Show zu einem Quotendesaster mutiert, das die Programmplaner in ernste Schwierigkeiten bringt.
Die absolute Schmach: Nur eine Sendung war noch schlechter
Die eigentliche Demütigung für den Star und den Sender RTL liegt jedoch im direkten Vergleich mit der Konkurrenz. In der Hauptsendezeit (Primetime) musste sich Raab – das Produktionsgenie und die Entertainment-Ikone – nur noch einer einzigen Sendung geschlagen geben, die noch schlechter abschnitt: „Promihof“ auf RTLZWEI.
Die Zahlen der Reality-Show, in der Cheyenne Ochsenknechts Mann sein Moderations-Debüt feierte, sind „grausige 2,2 Prozent“ in der werberelevanten Zielgruppe – ein Wert, der die Show als „linear schwach“ kennzeichnet.
Der Umstand, dass Stefan Raab mit seinem teuer produzierten, wöchentlichen Format gerade noch an einer niedrig budgetierten, als dürftig beschriebenen Reality-Sendung von RTLZWEI vorbeischrammt, ist ein Symbol der Krise. Raabs Show, die stets höchste Ansprüche an Innovation und Qualität stellte, ist auf ein Niveau gesunken, das nur knapp über dem absoluten Quotentiefpunkt des deutschen Privatfernsehens liegt.
Dies ist nicht nur eine Niederlage, sondern eine öffentliche Schmach, die die Frage nach der aktuellen Relevanz des Entertainers lauter werden lässt, als je zuvor. Der Trost, dass sich die „Promihof“-Marke immerhin im Streaming steigern konnte, dürfte die Führungsetage von RTL kaum beruhigen.
Der Triumph der Schüler: Joko & Klaas besiegen den Meister
Der schmerzhafte Kontrast wird durch den direkten Vergleich mit der härtesten Konkurrenz am Mittwochabend verdeutlicht: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.
Während Raab im Quotensumpf versank, meldete sich „Joko & Klaas gegen ProSieben“ am selben Abend „deutlich stärker zurück“. Mit 410.000 Zuschauern in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erreichte das Format „sehr gute 12,0 Prozent Marktanteil“ und holte damit den Primetime-Sieg in der werberelevanten Zielgruppe.
Die Ironie ist scharf: Die beiden Moderatoren, die Raab selbst einst im deutschen Fernsehen etablierte und die als seine „Schüler“ gelten, besiegen den Meister nun mit klarem Vorsprung im wichtigsten Sendezeitfenster. Dies ist mehr als nur ein Quotenduell; es ist ein Generationswechsel, bei dem Raab, der einst die TV-Welt revolutionierte, nun von denjenigen überholt wird, die seine eigene Schule durchlaufen haben.
Zwar war auch die Gesamtreichweite von Joko & Klaas mit 610.000 Zuschauern „ähnlich bescheiden“ wie bei Raab – was den allgemeinen Rückgang der linearen TV-Nutzung widerspiegelt – doch der eindeutige Sieg in der Zielgruppe zementiert ihren Status als Primetime-Könige und unterstreicht Raabs Verlust an Zugkraft.
Der Show-Produzent als Fels in der Brandung
Die anhaltend schlechten Quoten setzen RTL und Raabs Produktionsfirma, Brainpool, massiv unter Druck. In solchen Krisenzeiten ist es üblich, dass über die Zukunft der Formate und die Besetzung der Moderatoren diskutiert wird. Doch der Produzent der Show hat sich demonstrativ hinter Stefan Raab gestellt.
Dieses demonstrative Festhalten an Raab ist ein Zeichen der Verzweiflung oder der Loyalität. Es signalisiert den Versuch, die Marke Raab trotz der aktuellen Zahlen zu schützen und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass das Format doch noch die Kurve kriegt. Die Produzenten wissen, dass Stefan Raab nicht nur ein Moderator, sondern eine TV-Legende ist, dessen bloße Anwesenheit eine gewisse Berechtigung beansprucht.
Allerdings steht diese Loyalität im direkten Konflikt mit den harten kommerziellen Realitäten. Kann ein Sender es sich auf Dauer leisten, ein teuer produziertes Primetime-Format mit weniger als 3,0 Prozent Marktanteil im Gesamtpublikum zu halten, nur weil der Name Stefan Raab daraufsteht? Die kontinuierlich sinkenden Zahlen zeigen, dass der Mythos Raab die Zuschauer nicht mehr automatisch vor die Bildschirme lockt.
Die Sinnkrise der Show: Ist Raab noch relevant?
Die Krise der „Stefan Raab Show“ wirft eine tiefgreifende Frage auf: Ist Stefan Raab in seiner aktuellen Form noch relevant für das moderne Publikum?
In seinen Hochzeiten funktionierte Raabs Humor, weil er grenzwertig, unberechenbar und unvorhersehbar war. Er war der unkorrekte Querulant, der gegen die Langeweile des etablierten Fernsehens aufmuckte.
Doch die Fernsehwelt hat seine Rebellion adaptiert. Die Formate von Joko & Klaas, die Raab nun besiegt, bieten eine zeitgemäßere, oft emotionalere und gesellschaftskritischere Form der Unberechenbarkeit, die das junge Publikum besser abholt. Raabs Show, die auf wöchentlicher Wiederholung und bekannten Mustern basiert, wirkt im Vergleich dazu statisch und vorhersehbar.
Der jüngste Versuch, mit einem provokanten Thema wie dem Spott gegen Heidi Klum und Tokio Hotel Interesse zu wecken, scheiterte ebenfalls daran, ausreichend Zuschauer zu mobilisieren. Das Publikum reagierte kaum noch auf den Köder; die Quoten sanken weiter. Die Talfahrt der Show ist somit auch ein Referendum über Raabs künstlerische Relevanz in der Ära des schnellen Contents und der Social-Media-Kultur.
Um diese Talfahrt stoppen zu können, müsste Raab mehr tun, als seine wöchentlichen Auftritte zu verlängern. Er müsste das Format radikal neu erfinden, zurück zu dem bahnbrechenden Wagnis, das seine besten Shows auszeichnete.
Bis dahin bleibt die Situation dramatisch: Stefan Raab, der ewige Quoten-König, sitzt fest im Sumpf der schlechten Zahlen und muss sich mit der Schmach abfinden, nur noch knapp über dem Quotentiefpunkt der linearen Reality-TV-Landschaft zu rangieren. Die Uhr tickt, und die Geduld von RTL dürfte angesichts der finanziellen Einbußen rapide schwinden.