Die 70er Jahre waren eine andere Zeit. Was damals völlig normal war, würde heute für Aufschrei und Empörung sorgen. Manche Dinge waren gefährlich, andere politisch unkorrekt, wieder andere einfach nur verrückt. Heute schauen wir uns 30 Dinge an, die in den 70ern Alltag waren, aber heute undenkbar wären. Und eines davon war so krass, dass ihr nicht glauben werdet, dass es legal war.

Autofahren ohne Gurt, Familie als Geschosse
In den 70er Jahren war Autofahren ein Familienabenteuer der besonderen Art. Anschnallen, wozu denn das? Die Rückbank war Spielplatz, Sofa und Turnhalle zugleich. Kinder lagen quer, sprangen herum oder hielten den Arm aus dem Fenster. Der Vater rauchte am Steuer, die Mutter hielt das Baby auf dem Schoß und alle fanden das völlig normal. Sicherheitsgurte hingen ungenutzt an der Seite. Sie störten nur beim Einsteigen und waren unbequem. Wenn es in den Urlaub ging, stapelte man Koffer und Taschen bis unters Dach. Der Hund saß zwischen den Kindern. Getränkeflaschen rollten frei herum und niemand dachte an die Physik bei einem Aufprall. Bei einer Vollbremsung wurden alle Insassen zu Geschossen. Kinder flogen nach vorne, Koffer wurden zu tödlichen Projektilen, der Hund zur lebenden Kanonenkugel. Aber das war egal. Hauptsache, man kam irgendwie ans Ziel. Heute undenkbar. Schon das Fahren ohne Kindersitz kostet 60 € Bußgeld. Damals war es Alltag. Die 70er rochen nach Benzin, Zigaretten und Leichtsinn. Und irgendwie hat es die meisten überlebt.
Rauchen überall. Qualm als Grundrecht.
Die 70er waren das goldene Zeitalter der Raucher. Überall wurde gequalmt: im Zug, im Flugzeug, im Krankenhaus, sogar beim Arzt. Rauchverbote gab es nicht. Rauchen war ein Grundrecht und wer sich beschwerte, war ein Spielverderber. In Restaurants rauchten die Gäste zwischen den Gängen, während Kellner mit Zigarette im Mundwinkel servierten. Busfahrer hatten den Glimmstängel im Mund, während sie Fahrscheine abrissen. In Büros lag ein grauer Schleier über Schreibmaschinen und Kaffeetassen. Besonders absurd: im Krankenhaus wurde gequalmt. Patienten rauchten im Bett, Ärzte bei der Visite, Krankenschwestern am Empfang. Selbst in der Intensivstation standen Aschenbecher herum – Gesundheit und Zigaretten. Das passt in den 70ern zusammen. Flugzeuge hatten Raucherabteile. Stellt euch vor, 10.000 m Höhe, geschlossene Kabine und die Hälfte der Passagiere qualmt vor sich hin. Die Luft war so dick, dass man sie schneiden konnte, aber niemand beschwerte sich. Das war normal. Heute würde das einen Aufstand geben. Schon eine Zigarette im Restaurant kostet 1000 € Strafe. Damals war nicht Rauchen die Ausnahme. Heute ist Rauchen fast schon ein Verbrechen.
Alkohol am Arbeitsplatz: Prost auf die Produktivität!
Ein Bier in der Pause, ein Schnaps nach dem Essen. Das war in den 70er Jahren völlig normal. Alkohol am Arbeitsplatz war nicht nur erlaubt, sondern oft erwünscht. Wer arbeitet, darf auch trinken. War die Devise einer ganzen Generation. Auf Baustellen stand der Bierkasten direkt neben dem Werkzeug. Bauarbeiter tranken ihr Feierabendbier schon um 14 Uhr. Schließlich hatten sie früh angefangen. In Büros stand die Flasche Korn im Aktenschrank und wenn der Chef vorbeikam, prostete man ihm zu. In Betriebskantinen gab es Bier zum Mittag. Arbeiter bestellten ein Schnitzel mit Pommes und ein Pils. Das war das Standard-Mittagessen. Niemand dachte an Promillegrenzen oder Arbeitsschutz. Alkohol war gesellig, entspannend und gehörte einfach dazu. Besonders krass: LKW-Fahrer tranken während der Fahrt. An Raststätten gab es Bier für Fernfahrer und niemand fand das seltsam. Ein Bier schadet nicht, war die Einstellung. Dass Alkohol die Reaktionszeit verschlechtert – egal. Heute wäre das der sofortige Jobverlust. Schon 0,3 Promille am Arbeitsplatz können zur Kündigung führen. Damals war Alkohol Arbeitskultur, heute ist er Kündigungsgrund.
Kinder allein unterwegs: Freiheit ohne Grenzen
Nach der Schule die Tasche in die Ecke, ein schneller Schluck Wasser und dann raus. Kinder der 70er verschwanden stundenlang, ohne dass sich jemand Sorgen machte. Kein Handy, kein GPS, kein ständiges “Meld dich”, nur pure Freiheit. Mit dem Fahrrad in den Nachbarort, zu Fuß durch den Wald, schwimmen im Baggersee – alles ohne Aufsicht. Wenn die Straßenlaternen angingen, war das das Signal zum Heimkommen. Bis dahin gehörte die Welt den Kindern. Sechsjährige fuhren allein mit dem Bus zur Oma. Achtjährige gingen allein einkaufen, Zehnjährige übernachteten im Wald und niemand rief die Polizei. Eltern vertrauten darauf, dass schon alles gut gehen würde. Die Nachbarschaft passte auf alle Kinder auf. Jeder kannte jeden. Und wenn ein Kind Unsinn machte, bekam es von jedem Erwachsenen eine Ansage. Das war soziale Kontrolle, aber auch Geborgenheit. Heute undenkbar. Schon ein achtjähriges Kind allein im Park löst Polizeieinsätze aus. Damals war es Kindheit, heute ist es Kindeswohlgefährdung. Die Welt ist nicht gefährlicher geworden, nur die Angst ist größer.
Körperstrafen in der Schule: Zucht und Ordnung
In den Klassenzimmern der 70er herrschte ein anderer Ton. Wenn jemand frech war, gab es keine langen Gespräche, sondern oft eine schnelle Korrektur. Ein Klaps mit dem Lineal auf die Finger, ein Zug am Ohr oder ein Schlag mit dem Rohrstock gehörten zum Alltag. Manche Lehrer hatten sogar Spitznamen wegen ihrer Erziehungsmethoden. Der “Ohrfeigenschmidt” oder die “Linealmüller” waren gefürchtet, aber akzeptiert. Wer zu spät kam, musste in der Ecke stehen. Wer frech war, bekam eine gescheuert. Besonders demütigend: öffentliche Bestrafungen vor der ganzen Klasse. “Komm nach vorne und streck die Hand aus.” Dann knallte das Lineal auf die Handfläche, während 30 Mitschüler zusahen. Das war Erziehung durch Demütigung. Wer sich zu Hause beschwerte, bekam meist noch eine drauf. “Wenn der Lehrer dich bestraft hat, hast du es verdient”, war die Einstellung der Eltern. Lehrer hatten absolute Autorität. Kinder keine Rechte. Heute wäre das ein Riesenskandal. Schon ein lautes Wort kann zur Suspendierung führen. Damals war Gewalterziehung, heute ist sie Körperverletzung. Ein Wandel, der überfällig war.
Rauchen und Trinken mit 14: Erwachsen werden auf die harte Tour
Mit 14 war man in den 70er Jahren kein Kind mehr. Am Kiosk bekam man Zigaretten ohne Ausweis. Das erste Bier auf der Kirmes war fast schon ein Erwachsenenritual. Die Clique stand in der Ecke, Zigarette in der einen, Cola-Bier in der anderen Hand und keiner fand das seltsam. Eltern sahen meist darüber hinweg. “Lieber bei uns als irgendwo draußen”, war die Devise. Auf Dorffesten tranken Jugendliche mit den Erwachsenen. Beim Tanzen in der Kneipe lief Schlager aus der Jukebox. Niemand sprach über Jugendschutz, höchstens darüber, wer die nächste Runde bezahlt. Manche rauchten heimlich hinter der Turnhalle, andere ganz offen auf dem Heimweg. Der erste Husten, das erste Schwanken, das gehörte einfach dazu. “Davon stirbt man nicht”, war die Einstellung. Und irgendwie stimmte das auch. Besonders krass: 14-jährige kauften für ihre Eltern Zigaretten. “Hol mal eine Schachtel HB” war ein normaler Auftrag. Kinder waren Boten für Erwachsenenlaster und niemand sah ein Problem darin. Heute undenkbar. Schon der Verkauf von Zigaretten an unter 18-Jährige kostet 50.000 € Strafe. Damals war es Normalität, heute ist es Straftat. Der Jugendschutz hat sich komplett gewandelt.
Baden, wo es verboten war: Lebensgefahr als Nervenkitzel
Ein See, ein heißer Sommertag und ein Schild “Baden verboten”. Das war in den 70er Jahren keine Warnung, sondern eine Einladung. Kinder und Jugendliche stürzten sich trotzdem ins Wasser. Kiesgrube, Baggersee, alter Steinbruch – Hauptsache nass und gefährlich. Das Wasser war oft trüb, kalt und unberechenbar. Alte Maschinen lagen am Grund, scharfe Kanten lauerten unter der Oberfläche. Aber genau das machte den Reiz aus. Je gefährlicher, desto cooler. “Nur Weicheier baden im Freibad”, war die Devise. Eltern wussten ungefähr, wo ihre Kinder waren, aber Details interessierten nicht. Am Ufer lagen Fahrräder, Handtücher und Colaflaschen. Irgendwo lief ein Transistorradio mit den Hits der Zeit. Es gab keinen Bademeister, keine Absperrungen, nur Abenteuerlust. Regelmäßig passierten Unfälle. Kinder ertranken in Kiesgruben, verletzten sich an scharfen Gegenständen oder bekamen Krämpfe im kalten Wasser. Aber das hielt niemanden ab. Gefahr war Teil des Spiels. Heute sind solche Gewässer eingezäunt, überwacht und abgesperrt. Damals war es Abenteuer, heute ist es Fahrlässigkeit. Die Sicherheit hat gewonnen, aber auch ein Stück Freiheit verloren.
Feuerwerk ohne Aufsicht: Silvester als Kriegsgebiet
Silvester war in den 70er Jahren kein Sicherheitskonzept, sondern ein wilder Wettstreit um den lautesten Knall. Kinder liefen mit Taschen voller Chinaböller durch die Straßen. Raketen wurden aus Bierflaschen gezündet und manch einer hielt sie noch in der Hand, bis der Funken fast die Finger erreichte. Funkenregen, Rauch und Schreie vor Freude. Das war der Jahreswechsel. Eltern sahen zu oder machten gleich mit. Kein Abstand, keine Schutzbrille, keine Sorge. Die Mutigen banden mehrere Böller zusammen, um richtige Explosionen zu bauen. Besonders beliebt waren die berüchtigten Kanonenschläge, Böller mit der Sprengkraft kleiner Granaten. Sie rissen Löcher in den Asphalt und ließen Fensterscheiben klirren, aber das war gewollt. Je lauter, desto besser. Am Neujahrsmorgen lagen die Straßen voller abgebrannter Hülsen. Es roch nach Schwefel und Abenteuer. Verletzte gab es regelmäßig: abgerissene Finger, verbrannte Gesichter, Gehörschäden. Aber das war der Preis für den Spaß. Heute ist Feuerwerk streng reglementiert. Verkauf nur an bestimmten Tagen, Verwendung nur zu bestimmten Zeiten. Viele Böller sind ganz verboten. Damals war Silvester Krieg, heute ist es kontrollierte Folklore.
Haustiere ohne Regeln: Freiheit für Hund und Katz
Hunde liefen in den 70er Jahren frei durch die Straßen. Leinenpflicht gab es nicht. Der Hofhund lag vor dem Tor, bellte Fremde an und begleitete die Kinder manchmal bis zur Schule. Katzen streunten über Dächer und Zäune und niemand machte sich Gedanken über Mikrochips oder Kastration. Selbst mitten in der Stadt waren Hühner, Kaninchen oder ein Ziegenbock im Garten keine Seltenheit. Jeder hielt, was er wollte, wo er wollte. Wenn der Nachbarshund mal in den eigenen Garten machte, wurde kurz geschimpft und am nächsten Tag wieder gemeinsam Kaffee getrunken. Tierarztbesuche waren selten, Impfungen eher Ausnahme. “Der wird schon gesund”, war die Einstellung. Tiere waren robuster oder man nahm es gelassener hin, wenn sie krank wurden. Hauptsache, sie kosteten nicht viel. Besonders wild: Hunde fuhren frei im Auto mit, auf der Rückbank, im Kofferraum oder sogar auf dem Beifahrersitz. Bei einem Unfall wurden sie zu lebenden Geschossen, aber das interessierte niemanden. Heute ist Tierhaltung streng reglementiert. Leinenpflicht, Maulkorbpflicht, Hundesteuer, Kastrationspflicht. Für jedes Tier gibt es Vorschriften. Damals war es Freiheit, heute ist es Bürokratie.
Kein Datenschutz: Privatsphäre war ein Fremdwort
In den 70er Jahren wusste jeder über jeden Bescheid und das war völlig normal. Im Telefonbuch standen Name, Adresse und Nummer für jeden sichtbar. Postkarten las der halbe Hausflur mit, bevor sie beim Empfänger ankamen. Privatsphäre war ein Luxus, den sich niemand leisten konnte. In der Nachbarschaft wusste man, wer wann Besuch hatte, wer sich ein neues Auto gekauft oder wer wieder zu laut Musik gehört hatte. Akten lagen offen auf Schreibtischen, Briefe blieben unbeaufsichtigt und niemand sprach von Datenschutzrichtlinien. Wer eine Telefonnummer brauchte, rief bei der Auskunft an und bekam sie auch. In Schulen hingen Listen mit vollen Namen und Noten und niemand beschwerte sich. Auch beim Arzt lagen Karteikarten offen herum. Jeder konnte mitlesen. Besonders krass: Arbeitgeber fragten nach allem. Familienstand, Kinderwunsch, politische Einstellung, Religionszugehörigkeit. Alles war erlaubt. Frauen mussten sogar angeben, ob sie schwanger werden wollten. Heute wäre das ein Riesenskandal. Schon die falsche Frage im Vorstellungsgespräch kann teuer werden. Damals war Neugier normal, heute ist sie strafbar. Der Datenschutz hat die Welt verändert. Zum Guten und zum Schlechten.
Medikamente ohne Kontrolle: Die Hausapotheke als Drogerie
In den 70er Jahren war die Hausapotheke oft besser bestückt als manche Arztpraxis. Hustensaft mit Codein, Tabletten gegen Nervosität oder Tropfen mit Alkohol standen griffbereit im Küchenschrank. Kinder bekamen bei Fieber Aspirin, Erwachsene Valium gegen Stress und Baldriantropfen zum Einschlafen. Alles ganz selbstverständlich. In Apotheken gab es viele Mittel ohne Rezept, die heute streng verschreibungspflichtig sind. “Hier, nimm das, das hilft”, war die Devise. Packungsbeilagen wurden ignoriert, Nebenwirkungen interessierten nicht. Hauptsache, die Beschwerden verschwanden schnell. Besonders krass: Kinder bekamen regelmäßig Alkohol als Medizin. Rum gegen Zahnschmerzen, Weinbrand gegen Erkältung, Bier gegen Schlaflosigkeit. “Das hat schon der Oma geholfen”, war Argument genug. Dass Alkohol für Kinder schädlich ist? Unwichtig. Ärzte verschrieben großzügig und ohne viel Nachfragen. Wer Kopfschmerzen hatte, bekam starke Schmerzmittel. Wer nicht schlafen konnte, bekam Schlaftabletten. Wer nervös war, bekam Beruhigungsmittel. Die Suchtgefahr wurde völlig ignoriert. Heute ist jedes Medikament streng kontrolliert. Rezeptpflicht, Höchstmengen, Warnhinweise, alles ist reglementiert. Damals war Selbstmedikation normal, heute ist sie gefährlich. Die Medizin ist sicherer geworden, aber auch komplizierter.
Spielplätze ohne Sicherheit: Überleben des Stärkeren
Wer in den 70er Jahren auf den Spielplatz ging, wusste, hier kann man sich weh tun. Und genau das war Teil des Spaßes. Die Rutschen waren aus blankem Metall und im Sommer so heiß, dass man sich fast die Beine verbrannte. Unter den Schaukeln lag kein weicher Boden, sondern harter Kies oder Beton. Klettergerüste aus Eisenstangen rosteten fröhlich vor sich hin und die höchste Schaukel war automatisch die beste. Je gefährlicher, desto cooler. Eltern saßen auf der Bank, tranken Kaffee und sahen zu. Oder eben nicht. Wenn man fiel, gab es ein Pflaster und weiter ging’s. Besonders beliebt waren die Hexenschaukeln, riesige Holzbretter an langen Ketten, auf denen zehn Kinder gleichzeitig schaukeln konnten. Regelmäßig fielen welche runter, aber das gehörte dazu. “Wer nicht fällt, schaukelt nicht richtig.” War die Devise? Karussells drehten sich so schnell, dass einem schwindelig wurde. Wippen katapultierten Kinder meterweit durch die Luft. Klettertürme waren so hoch, dass ein Sturz garantiert ins Krankenhaus führte. Aber niemand sprach von TÜV oder Sicherheitsnormen. Heute sind Spielplätze sterile Sicherheitszonen: weiche Böden, abgerundete Kanten, maximale Fallhöhen. Alles ist durchreguliert. Damals war jeder Spielplatz ein Abenteuer. Heute ist er ein Sicherheitskonzept.
Krankenhaus wie zu Hause: Rauchen, Trinken, Besuchen
Krankenhäuser der 70er wirkten eher wie große Wohnhäuser mit eigenem Geruch. Eine Mischung aus Kaffee, Desinfektionsmittel und Zigarettenrauch. Ja, richtig gehört, Rauchen war erlaubt, sogar am Krankenbett. Patienten saßen im Schlafanzug im Flur, tranken Filterkaffee und unterhielten sich mit Besuchern. Besuchszeiten kannte keiner. Kinder saßen auf dem Bett der Oma, während der Arzt mit Zigarette in der Hand Visite machte. Überall herrschte ein Kommen und Gehen, laut, herzlich und chaotisch. Niemand trug Masken oder Desinfektionshandschuhe. Besonders absurd: In der Cafeteria gab es Bier und Schnaps. Patienten tranken ihr Feierabendbier im Krankenhaus. Besucher stießen mit einem Korn auf die Genesung an. “Ein Schlückchen schadet nicht”, war die Einstellung auch bei Kranken. Hygiene war eher eine Empfehlung als Pflicht. Ärzte gingen von Patient zu Patient, ohne sich die Hände zu waschen. Besucher brachten selbstgebackenen Kuchen mit, der dann von allen geteilt wurde. Keime interessierten nicht. Heute sind Krankenhäuser sterile Hochsicherheitszonen: Besuchszeiten, Desinfektionspflicht, Rauchverbot, alles ist streng reglementiert. Damals war es menschlich und chaotisch, heute ist es sicher und steril.
Schule ohne Schutz: Asbest, Blei und andere Gifte
Schulgebäude der 70er waren wahre Giftcocktails. Asbest in den Decken, Blei in den Farben, Formaldehyd in den Möbeln, aber niemand machte sich Gedanken über Gesundheitsgefahren. “Das haben wir schon immer so gemacht”, war Argument genug. Besonders krass: Chemieunterricht ohne Schutzausrüstung. Schüler hantierten mit Säuren und Laugen ohne Handschuhe oder Schutzbrille. Wenn etwas schiefging, wurde mit Wasser gespült und weitergemacht. Vergiftungen gehörten zum Lernprozess. In Werkräumen wurde ohne Absaugung geschweißt, gesägt und geschliffen. Der Staub lag zentimeterdick, aber das störte niemanden. “Ein bisschen Dreck hat noch niemandem geschadet”, war die Einstellung. Dass Asbest Krebs verursacht, wusste man nicht oder ignorierte es. Pausenhöfe waren oft mit Teer versiegelt, der bei Hitze weich wurde und krebserregende Dämpfe abgab. Kinder spielten darauf, ohne dass sich jemand Sorgen machte. Hauptsache, der Hof war billig zu unterhalten. Heute sind Schulen streng überwacht. Schadstoffmessungen, Sanierungspflicht, Gesundheitsschutz. Alles ist geregelt. Damals war Unwissen Segen, heute ist Wissen Fluch. Die Kinder waren nicht gesünder. Sie wussten nur nicht, was sie krank machte.
Fernsehen ohne Jugendschutz: Gewalt zur Primetime
Abends war das Fernsehen einfach an, ohne Passwort, ohne Altersfilter, ohne ständige Warnungen. Kinder saßen neben den Eltern und sahen alles mit. Krimis, Western, Kriegsfilme. Wenn es zu spannend wurde, hielten sie sich das Kissen vor die Augen, aber ausgeschaltet wurde nie. “Tatort”, “Derrick”, “Aktenzeichen XY… ungelöst” – das lief alles zur besten Sendezeit und Kinder schauten mit. Leichen, Blut, Gewalt – das gehörte zum Familienprogramm. “Das ist doch nur Film”, war die Begründung, wenn Kinder Albträume bekamen. Besonders krass: Kriegsfilme am Sonntagabend. Ganze Familien sahen zu, wie Soldaten abgeknallt wurden. “Das müssen die Kinder wissen, damit sie verstehen, wie schlimm Krieg ist”, war die Rechtfertigung. Dass Gewalt abstumpft – egal. Werbung war noch direkter. Zigarettenreklame mit Cowboys, Alkoholwerbung mit fröhlichen Familien. Süßigkeitenspots ohne Warnhinweise. Kinder waren Zielgruppe für alles. Hauptsache, es verkaufte sich. Heute ist Fernsehen streng reglementiert. Sendezeitbeschränkungen, Altersfreigaben, Warnhinweise, alles ist kontrolliert. Damals war es Wildwest, heute ist es Kindergarten. Die Unschuld ist verloren, aber vielleicht war das auch nötig.
Werbung ohne Grenzen: Zigaretten für Kinder, Alkohol für alle
Werbung in den 70er Jahren kannte keine Grenzen. Zigarettenreklame lief mitten am Tag, wenn Kinder fernsahen. Der Malboro-Mann ritt durch die Prärie. HB-Männchen entspannten sich mit einer Zigarette und alle fanden das normal. “Rauchen macht männlich”, war die Botschaft auch für Zehnjährige. Alkoholwerbung war noch direkter. Ganze Familien prosteten sich mit Bier zu. Kinder saßen dabei und lernten: Alkohol macht glücklich. “Jever Friesisch Herb” oder “Löwenbräu, wenn es um Qualität geht”. Diese Slogans prägten sich in Kinderköpfe ein. Besonders perfide: Süßigkeitenwerbung ohne jede Warnung. “Haribo macht Kinder froh” lief stundenlang ohne Hinweis auf Karies oder Übergewicht. Schokolade wurde als gesund beworben, Limonade als Vitaminbombe. Eltern glaubten das sogar. Spielzeugwerbung war pure Manipulation. Kriegsspielzeug für Jungs, Puppen für Mädchen. Geschlechterklischees wurden zementiert. “Echte Männer spielen Krieg”, war die Botschaft und Kinder saugten das auf. Heute ist Werbung streng reglementiert. Zigarettenreklame ist verboten, Alkoholwerbung eingeschränkt, Kinderwerbung kontrolliert. Damals war alles erlaubt, heute ist fast alles verboten. Der Schutz ist besser geworden, aber auch die Manipulation raffinierter.
Umwelt als Müllhalde: Wegwerfen war normal
Die 70er waren das Zeitalter der Wegwerfgesellschaft. Müll wurde einfach aus dem Autofenster geworfen. Zigarettenstummel, Bonbonpapier, ganze Tüten. “Die Natur räumt das schon weg”, war die Einstellung. Mülltrennung gab es nicht. Fabriken leiteten ihre Abwässer ungefiltert in Flüsse. Der Rhein war eine Kloake. Die Ruhr stank zum Himmel, aber das war normal. “Wo gehobelt wird, fallen Späne”, war die Rechtfertigung. Umweltschutz war ein Fremdwort. Besonders krass: Sondermüll wurde einfach vergraben. Chemikalien, Farbreste, sogar radioaktive Abfälle. Alles kam in die Erde. “Aus den Augen, aus dem Sinn” war die Devise. Dass das Grundwasser vergiftet wird, interessierte nicht. Autos ohne Katalysator verpesteten die Luft. Kohlekraftwerke ohne Filter den Himmel. In Industriestädten war die Luft so dick, dass man sie schneiden konnte, aber das war der Preis des Fortschritts und den zahlte man gerne. Heute ist Umweltschutz heilig. Mülltrennung ist Pflicht, Abwasserreinigung Standard, Luftreinhaltung Gesetz. Damals war die Erde eine Müllhalde, heute ist sie ein Schutzgebiet. Ein Wandel, der überfällig war.
Arbeitsschutz als Fremdwort: Gefahr gehörte dazu
Arbeitsschutz in den 70er Jahren gab es praktisch nicht. Bauarbeiter arbeiteten ohne Helm, Schweißer ohne Schutzbrille, Chemiearbeiter ohne Atemschutz. “Ein echter Mann braucht keinen Schutz”, war die Einstellung, und Unfälle gehörten einfach dazu. Besonders krass auf Baustellen: Gerüste ohne Geländer, Kräne ohne Sicherung, Gruben ohne Absperrung. Wer hineinfiel, war selbst schuld. Wer nicht aufpasst, fliegt raus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schutzhelme waren für Weicheier. In Fabriken liefen Maschinen ohne Schutzvorrichtungen. Arbeiter verloren regelmäßig Finger oder Hände, aber das war Berufsrisiko. “Wer an der Maschine arbeitet, muss aufpassen.” War die Devise. Sicherheitstechnik kostete Geld und das sparte man lieber. Asbest wurde ohne Schutz verarbeitet, Blei ohne Handschuhe gegossen, Chemikalien ohne Belüftung gemischt. Die Arbeiter wussten nicht, dass sie sich vergifteten und die Chefs verschwiegen es. Hauptsache die Produktion lief. Heute ist Arbeitsschutz heilig. Helmpflicht, Sicherheitsschuhe, Atemschutz, alles ist vorgeschrieben. Damals war Arbeit gefährlich, heute ist sie sicher. Ein Fortschritt, der Leben rettet.
Essen ohne Kontrolle: Chemie als Geschmacksverstärker
Lebensmittel der 70er waren wahre Chemiecocktails: Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker. Alles war erlaubt, was billig und haltbar machte. “Chemie ist Fortschritt”, war die Devise und Verbraucher glaubten das. Besonders krass: Kinderlebensmittel voller Zusatzstoffe: Bonbons in Neonfarben, Limonade mit Chemiegeschmack. Süßigkeiten mit Konservierungsstoffen. Kinder wurden zu wandelnden Chemielaboren, aber das störte niemanden. Fleisch wurde mit Hormonen vollgepumpt, Gemüse mit Pestiziden gespritzt, Milch mit Antibiotika versetzt. “Wachstum ist wichtig”, war die Rechtfertigung. Dass Chemie krank macht, wusste man nicht oder ignorierte es. Besonders absurd: Werbung pries Chemie als gesund. “Mit Vitaminen angereichert” stand auf Süßigkeiten, “wissenschaftlich getestet” auf Fertiggerichten. Künstlich war besser als natürlich, zumindest in der Werbung. Heute ist Bio-Essen Standard. Zusatzstoffe sind verpöhnt, Chemie wird gemieden. Damals war Chemie modern, heute ist sie verdächtig. Das Bewusstsein hat sich komplett gewandelt.
Verkehr ohne Regeln: Recht des Stärkeren
Verkehr in den 70er Jahren war Wildwest. Geschwindigkeitsbegrenzungen gab es kaum. Auf Autobahnen raste jeder so schnell er konnte. In Städten galt: Wer zuerst kommt, fährt zuerst. Verkehrsregeln waren Empfehlungen, keine Gesetze. Besonders krass: Alkohol am Steuer war normal. “Ein Bier schadet nicht”, war die Einstellung, und viele fuhren mit 1,5 Promille nach Hause. Kontrollen gab es selten, Strafen waren mild. Erst bei schweren Unfällen wurde ermittelt. Motorradfahrer ohne Helm, Radfahrer ohne Licht, Fußgänger ohne Respekt – jeder machte, was er wollte. Ampeln waren Vorschläge, Zebrastreifen, Dekoration. Das Recht des Stärkeren galt überall. Besonders gefährlich für Kinder. Keine Kindersitze, keine Anschnallpflicht, keine Rücksicht. Kinder sprangen zwischen parkenden Autos hervor und Autofahrer rechneten nicht damit. Unfälle waren häufig und oft tödlich. Heute ist Verkehr streng reglementiert. Tempolimits, Alkoholkontrollen, Sicherheitspflicht. Alles ist geregelt. Damals war es gefährlich, heute ist es sicher. Ein Fortschritt, der Leben rettet.
Tierschutz als Luxus: Tiere waren Sachen
Tierschutz in den 70er Jahren gab es praktisch nicht. Tiere waren Sachen, die man benutzte und wegwarf. Hunde wurden angekettet und vergessen. Katzen ertränkt, wenn sie lästig wurden. “Das sind doch nur Tiere”, war die Einstellung. Besonders krass in der Landwirtschaft: Massentierhaltung ohne jede Rücksicht. Hühner in winzigen Käfigen, Schweine auf Spaltenböden, Kälber in dunklen Boxen. Hauptsache billig. Das Leiden der Tiere interessierte nicht. Auch Haustiere hatten keine Rechte. Hunde wurden geschlagen, wenn sie nicht gehorchten. Katzen bekamen kein Futter, wenn Geld knapp war. Tierarzt nur im Notfall und auch dann wurde oft gespart. Besonders absurd: Tiere als Spielzeug. Hamster wurden zu Tode gestreichelt. Vögel in winzigen Käfigen gehalten, Fische in Gläsern gequält. Kinder lernten, Tiere sind zum Vergnügen da. Heute ist Tierschutz Gesetz. Mindeststandards, Haltungsvorschriften, Strafandrohungen. Tiere haben Rechte. Damals waren sie Sachen, heute sind sie Lebewesen. Ein Wandel, der überfällig war.
Bildung durch Drill: Lernen durch Leiden
Schule in den 70ern war Drill. Auswendig lernen ohne Verstehen, Gehorsam ohne Fragen, Disziplin ohne Diskussion. “Wer nicht hören will, muss fühlen” war die Devise und Lehrer setzten das gnadenlos um. Besonders krass: Demütigung als Erziehungsmethode. Wer einen Fehler machte, wurde vor der ganzen Klasse bloßgestellt. “Du bist zu dumm für diese Schule”, war ein normaler Satz. Kinder weinten, aber das interessierte nicht. Kreativität war unerwünscht. Individualität wurde bestraft. Alle sollten gleich sein, gleich denken, gleich handeln. Gleich Schritt Marsch galt auch im Klassenzimmer. Wer anders war, wurde ausgegrenzt. Besonders für schwächere Schüler war die Schule die Hölle. Legasthenie gab es nicht. Die Kinder waren einfach faul. ADHS: Unbekannt. Die Kinder waren ungezogen. Hilfe, Fehlanzeige. Heute ist Schule kinderfreundlich. Individuelle Förderung, Verständnis für Schwächen, Respekt vor Persönlichkeit. Alles hat sich gewandelt. Damals war Schule Drill, heute ist sie Entwicklung. Ein Fortschritt für alle Kinder.
Frauen als Menschen zweiter Klasse: Gleichberechtigung war ein Traum
Frauen in den 70er Jahren hatten es schwer. Ohne Erlaubnis des Ehemanns durften sie nicht arbeiten, kein Konto eröffnen, keine Verträge unterschreiben. “Die Frau gehört an den Herd”, war nicht nur ein Spruch, sondern Gesetz. Besonders krass im Beruf: Gleiche Arbeit, halber Lohn. Frauen verdienten systematisch weniger als Männer und das war legal. “Männer haben Familien zu ernähren”, war die Begründung. Dass Frauen auch Familien hatten – egal. Sexuelle Belästigung war normal. Chefs grabschten, Kollegen machten anzügliche Bemerkungen und Frauen mussten das ertragen. “Stell dich nicht so an”, war die Antwort auf Beschwerden. Wer sich wehrte, flog raus. Besonders absurd: Vergewaltigung in der Ehe war legal. Frauen gehörten ihren Männern und die konnten machen, was sie wollten. “Eheliche Pflicht” hieß das beschönigend. Widerstand war zwecklos. Heute ist Gleichberechtigung Gesetz. Gleicher Lohn, gleiche Rechte, gleiche Chancen – zumindest theoretisch. Damals waren Frauen Menschen zweiter Klasse, heute sind sie gleichberechtigt. Ein Fortschritt, der noch nicht abgeschlossen ist.
Ausländer als Exoten: Integration war unerwünscht
Ausländer in den 70er Jahren waren Exoten. Gastarbeiter sollten arbeiten und wieder gehen. Integration war nicht vorgesehen. “Die sollen sich anpassen oder verschwinden.” War die Einstellung der meisten Deutschen. Besonders krass: Offener Rassismus war normal. “Ausländer raus” stand an Hauswänden und niemand regte sich auf. In Kneipen hingen Schilder “Für Hunde und Türken verboten” und das war legal. Diskriminierung gehörte zum Alltag. Auch in Schulen wurden ausländische Kinder ausgegrenzt. Separate Klassen, schlechtere Behandlung, keine Förderung. Sie sollten ja sowieso wieder gehen. “Die lernen das nie”, war die Einstellung vieler Lehrer. Besonders absurd: Wer Deutsch lernen wollte, bekam keine Hilfe. Sprachkurse gab es nicht. Integration war unerwünscht. “Sollen sie doch in ihre Heimat zurück”, war die Devise. Heute ist Integration Staatsziel. Sprachkurse, Integrationshilfen, Antidiskriminierungsgesetze. Alles hat sich gewandelt. Damals war Ausgrenzung normal, heute ist sie verpöhnt. Ein Fortschritt für alle.
Fazit
Das waren 30 Dinge, die in den 70er Jahren völlig normal waren, heute aber undenkbar wären. Von gefährlich bis diskriminierend, von ungesund bis unmenschlich. Die 70er waren eine andere Zeit. Manches war besser, vieles war schlechter. Aber eines ist sicher: wir haben aus den Fehlern gelernt und eine bessere Welt geschaffen. Welcher Punkt hat euch am meisten schockiert? schreibt es in die Kommentare.