Betonpoller-Chaos in Hannover: Betrunkener Fahrer löst Beinahe-Katastrophe aus – 900 Passagiere gefangen im ICE
Es war eine Nacht, die Hannover nicht so schnell vergessen wird. Am späten Samstagabend, gegen 23.10 Uhr, verwandelte ein einziger Moment der Unachtsamkeit und Rücksichtslosigkeit die Bahnstrecke zwischen Hannover und Lehrte in ein Chaosgebiet. Ein 19-jähriger Fahrer, offenbar deutlich alkoholisiert, raste mit seinem Wagen auf einer Brücke in Hannover-Kleefeld gegen einen massiven Betonpoller – und löste damit eine Kettenreaktion aus, die beinahe in einer nationalen Tragödie geendet hätte.
Betonpoller stürzt auf Bahnstrecke
Der Aufprall war so heftig, dass der 1,5 Meter lange und 0,5 Meter breite Betonpoller von der Brücke geschleudert und direkt in Richtung der darunterliegenden Bahnstrecke katapultiert wurde. Dort krachte das tonnenschwere Hindernis in die Oberleitung, riss diese zu Boden und schlug schließlich auf den Bahnsteig ein. Genau in diesem Moment war ein vollbesetzter ICE mit 900 Fahrgästen unterwegs. Der Zug wurde von der defekten Oberleitung getroffen und teilweise beschädigt.
900 Menschen in Angst und Panik
Zwar gab es ersten Angaben zufolge keine unmittelbar Verletzten durch den Aufprall – doch das Drama nahm im Zug schnell Fahrt auf. Durch den mehrstündigen Stillstand auf freier Strecke, ohne funktionierende Klimaanlage und mit blockierten Türen, kam es zu mehreren medizinischen Notfällen. Fahrgäste litten unter Kreislaufproblemen und Dehydrierung. Rettungskräfte mussten eingreifen, um einen Passagier medizinisch zu versorgen.
Besonders brisant: Rund 400 Fußballfans befanden sich an Bord des ICE. Viele von ihnen versuchten in ihrer Verzweiflung, den Zug eigenmächtig zu verlassen und sich zu Fuß in Richtung Kleefeld durchzuschlagen – eine lebensgefährliche Aktion. Denn die Oberleitungen stehen unter einer Spannung von 15.000 Volt. Ein Sprecher der Bahn warnte: „Bahnanlagen dürfen nur von autorisierten Personen betreten werden. Hier war akute Lebensgefahr gegeben.“
Polizei im Großeinsatz
Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um das Chaos zu ordnen. Beamte mussten sicherstellen, dass keine Personen mehr im Gleisbereich unterwegs waren, bevor der ICE mit einer Diesellok abgeschleppt werden konnte. Erst nach stundenlangem Warten wurden die übrigen Passagiere per Bus weiter zum Hauptbahnhof Hannover gebracht, wo ein Versorgungspunkt eingerichtet wurde.
Fahrer alkoholisiert – Mitfahrer geflohen
Das Unfallauto hatte sich nach dem Aufprall überschlagen und blieb auf dem Dach liegen. Während die Polizei an der Unfallstelle nur noch den Fahrer antraf, sollen nach seiner Aussage zwei Mitfahrer geflüchtet sein. Die Ermittlungen dazu laufen. Klar ist jedoch: Der 19-Jährige stand unter Alkoholeinfluss. Ein Atemalkoholtest ergab 1,02 Promille. Er blieb äußerlich unverletzt, wurde jedoch vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.
Gegen den jungen Mann wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie Gefährdung des Straßenverkehrs unter Alkoholeinfluss ermittelt. Der Sachschaden wird auf mindestens 120.000 Euro geschätzt. Die Polizei bittet Zeugen dringend um Hinweise zum Unfall oder zum Fahrverhalten des 19-Jährigen.
Bahnverkehr im Ausnahmezustand
Der Zwischenfall führte zu massiven Störungen im Bahnverkehr. Fernzüge mussten über S-Bahngleise umgeleitet werden, wodurch es bis Sonntagmittag zu erheblichen Verzögerungen kam. Zusätzlich erschwerte ein weiterer Vorfall die Lage: In Lehrte verursachte ein Brand in einem Schaltkasten zusätzliche Einschränkungen im Bahnnetz.
Für viele Reisende war es eine Nacht voller Frust, Angst und Hilflosigkeit. „Wir saßen stundenlang im Dunkeln, ohne Informationen. Einige Menschen sind fast kollabiert“, berichtete eine Passagierin später am Hauptbahnhof.
Beinahe ein Unglück von nationalem Ausmaß
Experten sind sich einig: Wäre der Betonpoller in einem anderen Winkel auf die Gleise gestürzt oder direkt in den fahrenden ICE eingeschlagen, hätte es zahlreiche Tote geben können. „Wir hatten großes Glück im Unglück“, erklärte ein Polizeisprecher.
Der Vorfall wirft einmal mehr Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ein einzelner alkoholisierter Fahrer mit einem unbedachten Unfall eine ganze Region ins Chaos stürzt und das Leben von Hunderten Menschen gefährdet?
Die Ermittlungen dauern an. Sicher ist jedoch schon jetzt: Hannover erlebte eine Nacht, die als Mahnung in Erinnerung bleiben wird – an die verheerenden Folgen von Alkohol am Steuer und die Zerbrechlichkeit der öffentlichen Sicherheit.
